Fine Wine Collectors: Preisentwicklung

 

 

Markt-Update
Kurzer Rückblick auf 2019 und Prognose für 2020

 

Die Dynamik auf dem Markt für Weininvestitionen bleibt nach wie vor so interessant wie bisher. Um Ihnen einen besseren Einblick zu ermöglichen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschehnisse von 2019.

 

  • 2019 war ein weiteres starkes Jahr für den Handel. Trotz des Gegenwinds, angefacht durch die Brexit-Verhandlungen, einer allgemeinen Verunsicherung, hervorgerufen durch den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den eskalierenden Ausschreitungen in Hongkong, konnten verstärkte Aktivitäten verzeichnet werden.
  • Bordeaux dominierte erneut mit einer starken En Primeur-Kampagne und dem regen Handel mit dem kürzlich veröffentlichten 2016er Jahrgang.
  • Die Toskana und die Champagne übernehmen die Spitzenreiterrolle mit einem besonders starken Volumen- und Preiswachstum. Dies gilt insbesondere für die Super Tuscans und den „Off-Prime“ Jahrgangschampagner (den Jahrgängen abseits der Spitzenjahrgänge 2002 und 2008).
  • Da einige der Herausforderungen abnehmen, sind die Aussichten für 2020 ermutigend. Dabei dürften Italien und die bereits gereiften Weine der Bordelaiser Spitzenweingüter die Führung übernehmen.

 

 

Knappheit und Komplexität haben den Pinot Noir zu einem neuen Statussymbol gemacht.
(Quellen: WineBid; The Econimist, Liv-ex)

 

 


(Source: Liv-ex June 2019)

 

 

„Weinsammler verkünden gerne, dass „alle Wege nach Burgund führen“. Sie zucken auch mal zusammen bei der Vorstellung der Weine, die sie zu Beginn ihres Hobbys zu sich nahmen. In Amerika und Australien bilden die örtlichen „Fruchtbomben“ den gemeinsamen Einstieg. In der Regel sind dies eher schwere, alkoholische Weine, die den Vanille- oder Mokkaabdruck von Eichenfässern tragen und innerhalb weniger Jahre nach der Abfüllung getrunken werden sollten.“

 

 

 

„Wenn Weinliebhaber Erfahrung bei der Suche nach geeigneten Speisenbegleitern sammeln, suchen sie nach Rotweinen, die sie z. B. mit Geflügel und Rind kombinieren können. Das führt oftmals zu oktanärmeren Versionen aus Frankreich, wie etwa einem Cabernet Sauvignon aus dem Bordeaux, statt dem Napa oder einem Syrah von der Rhône, anstelle eines Barossa Shiraz. Sobald Sie aber Komplexität und Finesse über Kraft stellen, ist Ihr weinseliges Ziel bereits vorbestimmt.“

 

 

 

 

„Enzyklopädisches Weinwissen ist im Burgund besonders wertvoll. Die französische Region ist in Hunderte von namentlich genannten Lagen unterteilt. Im Gegenzug besitzen unzählige Produzenten spezifische Rebparzellen in mehreren Weinbergen, aus denen sie alle ihren ganz eigenen Wein herstellen können. Daraus ergeben sich Tausende von unterschiedlichen Paarungen, die jeweils aber aus höchstens einigen tausend Flaschen bestehen.“

 

 

 

 

„In der Vergangenheit wurden Burgunder aufgrund ihrer Komplexität und geringen Produktion in eine Marktnische verlagert. Vor einem Jahrzehnt wurde Bordeaux, das vergleichsweise weniger ausgeprägte Weine in größeren Mengen herstellt, in Asien populär. Daraufhin stiegen die Preise in die Höhe. Aber der scheinbar grenzenlose Höhenflug stoppte 2012, als die chinesische Regierung anfing, üppige Geschenke zu missbilligen.“

 

 

 

 

„Während sich der Geschmack vom Bordeaux wegbewegte, wurde das Verständnis über das Burgund als Test für die Kennerschaft angesehen, sowohl in Asien als auch im Westen. Aber die große Auswahl an Weinen in der Region – darunter Ikonenweine, die nur 300 Flaschen pro Jahr umfassen – macht es schwer, zuverlässige Preisinformationen zu finden. Unter den Hunderten von feinen roten Burgundern nimmt Liv-ex nur elf in seinen regionalen Index auf.

Um einen verlässlicheren Maßstab zu schaffen, hat WineBid, ein großer Online-Weinauktionator, dem Economist einen vollständigen Verkaufsaufzeichnungsbericht für jeden Wein überlassen, der seit 2003 mindestens zehnmal auf der Website verkauft wurde. Die Daten enthalten 1,6 Mio. Partien, die 33.000 Weine umfassen. Wir haben Portfolios von 50-500 der teuersten sowie einzigartigen Marken (ein Jahrgang pro Wein) aus jeder Region aufgebaut. Anschließend schätzten wir die Renditen für jedes Portfolio vor Lager- und Transaktionskosten.“

 

 

 

 

„Sammler, die den größten Teil ihres Pinot Noirs bereits getrunken haben, benötigen möglicherweise ein weiteres Glas, nachdem sie die Resultate gesehen haben. Bis Ende 2018 hatte der rote Burgunder 497% Rendite erzielt, verglichen mit 279% für den S&P 500. (Der angesprochene Index reicht nicht bis 2019, da viele der darin enthaltenen Weine zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels noch nicht gehandelt wurden.) Der Index war auch weniger volatil als die Aktien, obwohl dies zum Teil der Berechnungsweise geschuldet sein könnte…“

 

 

 

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Detailbereich „Grafik“ der Printausgabe des Economist, unter der Überschrift „A cellar’s market“. Aus diesem wurden Textauszüge von Fine Wine Collectors ins Deutsche übersetzt.

 

 

Markt-Update
November 2019

Mitte November veröffentlichte Neal Martin auf Vinous.com seine mit Spannung erwarteten Verkostungsnotizen für den Jahrgang 2018 im Bordeaux. In dem Bericht mit dem Titel „The Future’s Not What It Was: Bordeaux 2018“, bewertete er den Jahrgang niedriger als alle anderen Kritiker. „Kein einziges Mal bin ich einem Fassmuster begegnet, welches die potentielle Perfektion andeutete. Nicht ein Mal. Das ist nicht gemein, sondern eine nüchterne Bewertung.“ Nicht ein einziger 100-Punkte-Wein. Verglichen mit den Bewertungen von Jeff Leve, der das Potenzial von 24 perfekten Weinen erkannt haben will, oder James Suckling‘s 14 Weinen, Jeb Dunnuck‘s 13, Lisa Perrotti-Brown’s 12, Jane Anson‘s sieben, Antonio Galloni‘s sechs oder gar James Molesworth’s fünf, was sagt das dann aus? Taylor Harrison schreibt in einem Bericht von Liv-ex, dass einer von Liv-ex durchgeführten Befragung zufolge, über 74% der internationalen Teilnehmer angaben, dass Neal Martin der Bordeaux-Kritiker sei, dem sie am ehesten folgen würden. Demnach hätte man vielleicht vermuten können, dass dies eine Art Marktreaktion hervorrufen würde. Aber nein. Laut Taylor Harrison ist nichts passiert. Interessant dabei ist, dass Neal Martin den Jahrgang 2018 abseits der Präsentation der Union des Grands Crus de Bordeaux verkostet hat. Dies ermöglichte es ihm, gegebenenfalls etwas reflektierter zu verkosten. Wichtiger dürfte dabei aber sein, dass er durch die zeitliche Versetzung die Möglichkeit erhielt, die Weine in einem vergleichsweise vorangeschrittenen Zustand verkosten zu können.

 

Daraus könnte man natürlich schließen, dass die Käufe bereits getätigt worden seien und es an der Zeit sei weiterzumachen. Man könnte diese Überlegung dahingehend ausweiten, dass es nun keinen einzigen zusätzlichen Kaufauftrag mehr geben wird, bis die Fassbewertungen im Frühjahr 2021 veröffentlicht werden. Und dann? Was geschieht, wenn all diese potenziell perfekten Weine unter den Erwartungen bleiben? Möglicherweise gibt es dann eine entsprechende Reaktion. Konzentrieren wir uns also auf das, was Neal Martin noch über den Jahrgang zu sagen hatte. Insgesamt sei der Jahrgang 2018 als sehr gut bis exzellent einzustufen, jedoch „zeigt er nicht die Beständigkeit von 2005 oder 2016, und es fehlen die Höhepunkte, die 2010 sowie 2016 prägen.“

 

Bordeaux 2016. Ein Jahrgang, dem Neal Martin fünf perfekte Fassbewertungen zugeordnet hat, entgegen zu Suckling’s acht, Perrotti-Brown’s fünf und Galloni’s zwei Bewertungen. „Es muss eine Kombination von Qualitäten geben, die über die sensorischen Eigenschaften hinausgeht und in etwas quasi-religiöses und durch unerschütterlichen Glauben verstärktes übergeht. Schon ein kleines Zögern veranlasst mich, einen Wein mit 98 oder 99, statt der 100 Punkte zu bewerten. Aber der 2016 Latour, Mouton-Rothschild, Cos d’Estournel, Figeac und Vieux-Château-Certan bilden ein Quintett, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass sie sich in irgendeiner Weise verbessern werden, weder in ihrer Art noch Form, weshalb sie eine perfekte Note verdienen“.

 

 

Die Grafik zeigt, dass der Jahrgang 2016 auf dem Niveau von 2015 und 2018 und mit einem preislichen Abschlag gegenüber den Jahren 2005, 2009 und 2010 gehandelt wird.

Vielleicht ist es daher an der Zeit, sich den Jahrgang 2016 noch einmal anzusehen. Ein Jahrgang, in dem Neal Martin sowohl Konsistenz als auch Höhenflüge findet.

 

Markt-Update
Oktober 2019

Italien: Zeit für Wachstum

Zwei wesentliche Faktoren deuten auf das steigende Interesse an italienischem Wein hin. Der Marktanteil Italiens am Sekundärmarkt hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt, während sich die Zahl der getätigten Handelsgeschäfte mit verschiedenen italienischen Weinen vervierfacht hat. Dennoch war die Preisentwicklung Italiens in diesem Zeitraum eher unauffällig. Sie hat sich gegenüber dem Gesamtmarkt, gemessen am Liv-ex 1000, schlechter entwickelt und sich nur knapp an die Entwicklung von Bordeaux annähern können. Während die Spitzenweine des Piemonts und der Toskana, verglichen mit denen des Burgund und Bordeaux, hinsichtlich ihrer Kritiken positiv abschneiden, sind die Preise oft niedriger. Italienische Weine bieten, laut Liv-ex, nach wie vor einen der günstigsten Einstiegspunkte in den Fein-Wein Markt. Im Jahr 2019 war der Italy 100 jedoch der am besten abschneidende Liv-ex 1000 Subindex (+3%).

 

 

 

Neun der zehn größten Aufsteiger aus dem Italy 100 im vergangenen Jahr, kommen dabei aus dem Norden, wobei der Sassicaia 2015 die erwähnenswerte Ausnahme darstellt. Seit Dezember 2017 stieg der Piemont Index um 12%, verglichen mit dem der Toskana, welcher um 0,2% anstieg. Der stetig steigende Marktanteil Italiens wurde jedoch durch den Handel mit den Super-Toskanern bestimmt. Diese werden in der Regel in deutlich größeren Mengen hergestellt und beinhalten oder werden vollständig aus den internationalen Rebsorten Cabernet Sauvignon und/ oder Merlot hergestellt. Dies, kombiniert mit der Markenstärke und dem Lob der Kritiker, hat Italien einen festen Platz auf der internationalen Weinkarte verschafft.

 

Während der Preis eines Weins durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, spielt die Anerkennung der Kritiker eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Nur wenige Stunden nachdem der „Wine Spectator“ den Sassicaia 2015 zum „Wein des Jahres“ ernannt hatte, stieg sein Preis um 25%. Der Sassicaia 2016, an den Monica Larner („The Wine Advocate“) 100 Punkte vergab, hat seit seiner Markteinführung 71% zugelegt.

 

Im Vergleich zum Gesamtmarkt sind die Preise für italienische Weine stetig gestiegen und haben eine vergleichsweise geringe Preisschwankung erfahren.

Der Italy 100 verfolgt das Preis-Leistungs-Verhältnis der zehn führenden italienischen Weine. Hierbei wird die Regelmäßigkeit berücksichtigt, mit der diese Weine auf Liv-ex gehandelt werden. Der Index, der rein auf Transaktionsdaten basiert, ist auf die Supertoskaner ausgerichtet, deren große Produktionsmenge einen aktiven Markt bedienen kann.

 

 

 

 

Wie andere Liv-ex-Indizes auch, erhielt der Italy 100 nach dem Brexit-Referendum einen Schub durch die Abwertung des Pfunds. Dies wiederum regte die Aktivität der Euro- und Dollarkäufer an. In den letzten drei Jahren stieg der Index um 28,3% und ist damit, nach dem Burgund und der Champagne, der drittbeste Wert.

 

Obwohl die Preise im Piemont teils mehr als doppelt so hoch wie die der Supertoskaner sind, rufen die Spitzenbarolo und Barbaresco immer noch weniger als die Hälfte des Preises der Bordelaiser und ein Viertel des Preises von roten Burgundern auf. Aufgrund der Kombination aus relativ niedrigen Preisen und vergleichbarer Qualität wecken sowohl die Toskana als auch das Piemont ein steigendes Interesse bei Händlern und Sammlern. Ihre Popularität begründet sich auch in Teilen darauf, dass diese Weine sich erfolgreich den Launen wechselnder Geschmäcker und Trends widersetzt haben. Bereits im Jahr 2015 lag der Gesamtwert der Gebote und Angebote bei fast zwei Millionen Pfund. Mittlerweile überschreitet er fünf Millionen Pfund, was vor allem auf aktive Käufer zurückzuführen ist und die gestiegene Nachfrage nach italienischem Wein widerspiegelt.

 

Italien: Piemont und Toskana

Um die Grundlagen des italienischen Marktes und das Investitionspotenzial dieser beiden charakteristischen Weinregionen besser verstehen zu können, sollte die Kluft zwischen dem Piemont und der Toskana erkannt werden.

Die Toskana ist seit jeher führend in Bezug auf den Handelsanteil. Aufgrund der Kombination von Qualität, Volumen und Markenstärke waren die Super-Toskaner auf dem Sekundärmarkt sehr aktiv und steigerten den Anteil Italiens am gesamten Handelsvolumen. Im Jahr 2019 hat die Toskana bisher mehr als zwei Drittel des italienischen Handels ausgemacht, wobei die piemontesischen Weine den Löwenanteil des übrigen Drittels ausmachten.

Was die Preisentwicklung betrifft, so hat das Piemont die Toskana jedoch deutlich übertroffen. Seit Dezember 2017 ist der Piemont Index um 12% gestiegen, verglichen mit nur 0,2% für die Toskana.

Dennoch stehen die Super-Toskaner seither im Rampenlicht und stellen heute die liquideste und meistverkaufte Gruppe italienischer Spitzenweine dar. Sie haben sich auch nicht davor gescheut, als „investmentfreundliche“ Marken angesehen zu werden. In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2008 bezeichnete sich Masseto als „ein Fallschirm für Investoren in Krisenzeiten“. Die Marke gilt heute als eine der erfolgreichsten und gefragtesten.

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Der Liv-ex Fine Wine 1000 verfolgt 1.000 Weine aus der ganzen Welt und verwendet dabei den Liv-ex Mid Price. Er besteht aus sieben Subindizes, welche Regionen aus der ganzen Welt repräsentieren.

 

 

 

Fine Wine im Vergleich

 

 

 

 

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