Fine Wine Collectors Tasting – Hamburg-Blankenese

Fine Wine Collectors Tasting in Hamburg-Blankenese, 09.11.2018

Ein ganz besonders genussvoller Abend, welcher den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird, war das Fine Wine Collectors Tasting in Hamburg-Blankenese.

Ein sogenanntes Blind-Tasting, bei dem ohne vorherige Kenntnis der Weine, blind aus dem Gabriel Glas verkostet wurde. Ziel war es, sich somit besser auf die Weine konzentrieren und diese einschätzen zu können, ohne dass man von den großen Namen der Produzenten oder Weintypen beeinflusst werden könnte.

 

Verkostungsliste aller Weine in entsprechender Reihenfolge:

2007 Olivier Leflaive „Perrières“, Meursault 1er Cru ( Burgund, Frankreich )

2002 Piper-Heidsieck Rare Millesime Brut ( Champagne, Frankreich )

1964 Château Latour ( Pauillac, Frankreich )

1966 Château Latour ( Pauillac, Frankreich )

1970 Château Latour ( Pauillac, Frankreich )

1975 Château Latour ( Pauillac, Frankreich )

1996 Barolo, Falleto di Bruno Giacosa „Falletto” ( Piemont, Italien )

1989 Chateau Musar, Gaston Hochar ( Bekaa Valley, Libannon )

1990 La Mouline, Côte-Rôtie, E. Guigal ( Rhône, Frankreich )

1994 La Mouline, Côte-Rôtie, E. Guigal ( Rhône, Frankreich )

1976 Dom Pérignon Brut ( Champagne, Frankreich )

1982 Château Cos d’Estournel ( Saint-Estèphe, Frankreich )

1982 Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande ( Pauillac, Frankreich )

1982 Château Lynch Bages ( Pauillac, Frankreich )

1982 Château La Mission Haut Brion ( Pessac-Léognan, Frankreich )

1982 Château Gruaud Larose ( Saint-Julien, Frankreich )

 

 

Der erste Wein des Abends, welcher als Apèro gedacht war, ein 2007 Perrières Meursault 1er Cru von Olivier Leflaive, wirkte noch recht jung und zeigte an diesem Abend erste Reifenoten. Spannungsgeladen, animierend und sehr elegant, mit wohl dosiertem, feinem Holz und einer dezenten Mineralik ausgestattet. Insgesamt noch mit mittlerem Körper und einem sehr langen Nachhall ausgestattet, stellte dieser Meursault einen sehr schönen Auftakt dar.
94 / 100

 

Der erste offizielle Flight des Abends führte uns dann zum Rotwein und bestand aus zwei gereiften Vertretern: einem 1964 Château Latour vs. 1966 Château Latour. Das Aufdecken des Flights bürgte für alle eine Überraschung. Zweimal Latour und beide Weine hatten bereits mehr als 50 Jahre in der Flasche verbracht. Es war in jedem Fall erstaunlich, was diese Weine, allem voran der 64er, ob ihres hohen Alters, noch an Vitalität bewiesen haben. Eine große Stärke, welche den Bordelaiser Top-Gewächsen gerne attestiert wird – eine fachgerechte Lagerung vorausgesetzt.

 

1964 Château Latour

Im Bouquet entdeckte ich gleich reichlich Noten nach feuchtem Unterholz, eher herber Cassisfrucht, Pflaumenjus, Graphit, Tabak, altem Leder sowie mit zunehmender Zeit im Glas auch leicht stallige Noten. Die Reifung im Fass machte sich durch eine dezent portionierte Zedernholznote bemerkbar. An das Bouquet eines Weines im Alter von mehr als einem halben Jahrhundert erinnerte mich der Wein nicht gerade.

Am Gaumen sehr elegant, straff mit überraschend belebender Säure und vornehmlich bereits abgeschmolzenem Tannin. Der Wein wirkte deutlich gereift und etwas drahtig. Hier finde ich ebenfalls die dunkle, herbe Frucht, gepaart mit Dörrobst und einem dezenten Anflug von Süßholz. Sozusagen ein Bordelaiser Gentleman hohen Alters. Der mittellange bis lange Abgang wirkte zum Ende hin etwas müde, weshalb noch ungeöffnete Flaschen nicht mehr viel länger gelagert werden sollten.
93 / 100

 

Der zweite Wein des Flights, der 1966 Château Latour, fiel insgesamt deutlich erdiger und auch etwas vegetabiler aus. Am Gaumen zeigte sich der Wein mit mittlerem Körper, ebenfalls eher elegant, mit mittelkräftiger Säure, jedoch fiel auch hier wieder eine präsente vegetabile Charakteristik am Gaumen auf. Im direkten Vergleich wirkte dieser 1966 etwas ausgezehrter und insgesamt schwächer.
88 / 100

 

Auch der zweite Flight bestand aus zwei gereiften Roten.

1970 Château Latour

Im Bouquet entdeckte ich wieder deutliche Anflüge von feuchtem Waldboden, Noten von Cassis, Brombeersträucher, Leder und einem Hauch Süßholz. Wieder gereift und mit ausgeprägter Erdigkeit, allerdings auch gepaart mit betörender Frucht, die mich an Schwarzkirsche und Orangenabrieb, gepaart mit Nelke denken ließ.

Abermals größtenteils abgeschmolzenes Tannin, ein etwas schlanker wirkender, mittlerer Körper sowie eine belebende Säure. Erneut der feuchte Waldboden, die dunkle Frucht und etwas Süßholz. Kraftvoll und saftig mit Klasse. Langer Nachhall. Viel hedonistischer als seine Vorgänger. Besitzt sicherlich noch das Potenzial für ein paar weitere Jahre im Keller.
An diesem Abend für mich 94 – 95 / 100

 

1975 Château Latour

Der zweite Wein des Flights zeigte sich ebenfalls gereift, mit deutlichen, erdigen Noten sowie Aromen nach Graphit, dunkler Frucht, Lorbeerblättern und Zedernholz.

Er wirkte straffer am Gaumen als der erste Wein des Flights. Mit noch mittlerem Körper und präsentem, aber weitestgehend abgeschmolzenem Tannin. Strukturbetonter sowie im direkten Vergleich auch mit mehr Ecken und Kanten versehen. Rote Frucht und etwas Schwarzer Tee. Etwas fordernder und sehr spannend. Langer Nachhall.
95 / 100

 

Der dritte Flight war aus einem eher ungleich wirkendem Paar zusammengestellt.

1996 Barolo Falletto, Bruno Giacosa

In der Nase zurückhaltender und eher zartduftig, mit Noten von Schwarzkirsche, Leder, etwas Teer sowie erdigen Noten. Pflaume und Kirsche treffen aufeinander, wobei der insgesamt lange Nachhall eher noch vom zunehmend austrocknenden Tannin bestimmt wird. Mittlerer Körper sowie eine belebende Säure. Ein strukturbezogener und eleganter Wein, welcher eher zu den leiseren Vertretern gehört, nur dass dieser Wein auch nach einer Weile noch immer recht deutlich machte, dass er gerne noch in der Flasche geblieben wäre.
92+ / 100

1989 Château Musar, Gaston Hochar

Was für eine fantastische Nase uns hier erwartete. Noten nach Unterholz und Kuhstall, eine erdige Komponente sowie helle als auch dunkle Früchte. Auf all diese Eindrücke treffe ich, während ich mich auf einem orientalischen Gewürzbazar bewege. Das Bouquet machte einen eher gereiften Eindruck.

Am Gaumen ebenfalls eleganter, mit mittlerem Körper und einer belebenden Säure ausgestattet. Präsentes, reifes und feines Tannin, mit dunkler Frucht und exotischen Gewürzanklängen. Der sehr lange Nachhall wurde von einer erdigen Komponente begleitet. Ungemein fein und fast tänzelnd, dann aber wiederum auch herb und maskulin. Ein Wein der mich berührte.
95+ / 100

 

Der vierte Flight brachte uns zweimal La Mouline von Guigal, wobei der 1990 sich in bestechender Form zeigte.

 

1990 La Mouline, Côte-Rôtie, E. Guigal

Viel Waldboden und eine zunächst eher verhaltene, dunkle Frucht. Benötigte noch etwas Zeit im Glas und offenbarte dann Aromen nach Graphit und Schattenmorelle. Der Wein gleichte ein wenig einer Studie in Altleder und wirkte zunehmend würziger.

Eine wunderbare Struktur erwartete mich am Gaumen. Mittlerer Körper, reifes, mittelkräftiges Tannin und eine straffe, frische Säure sorgten für großen Trinkspaß. Klar definierte Kirsche sowie Süßholz, auch im sehr langen Abgang. Komplex, mit Tiefe und intensiv.
97 / 100

 

1994 La Mouline, Côte-Rôtie, E. Guigal

Auch hier zeigten sich mir Noten von Schattenmorelle, Leder und Süßholz, welche dann mit zunehmender Zeit im Glas auf etwas mineralische sowie deutlich laktische Komponenten trafen. Letzteres erinnerte stark an Blaubeerjoghurt. Dieser Wein wirkte etwas diffuser als sein Vorgänger.

Am Gaumen jede Menge Pfeffer sowie Anklänge von Kirschen und Kräutern. Ein mittlerer Körper, reifes Tannin und mit einer angenehmen Frische. Im Glas gewann der Wein noch an Süße. Eher mittellanger bis langer Abgang.
91+ / 100

 

Als nächstes erwartete uns ein kurzes Intermezzo in sprudelnder Form.

 

1976 Dom Pérignon Brut

Was für eine Nase! Karamell, frisch getoastetes Weißbrot, mürber, gelber Apfel, Brioche, Bratapfel, Mirabelle und etwas Marzipan. Dabei blieben die Autolysenoten eher fein und nicht zu vordergründig.

Am Gaumen zeigte dieser Schaumwein eine feine Mousse sowie eine präsente und trinkanimierende Säure. Körperreich und elegant zugleich. Deutlich ausgeprägtere Autolysenoten als im Bouquet, mit gelben Früchten, gerösteten Haselnüssen und einer dezenten Malznote. Ein endlos wirkender Nachhall. Körper, Eleganz, Frische, Frucht und Spannung – all das traf hier aufeinander. Sensationell.
98 / 100

 

Der sechste Flight führte uns nach der kurzen Unterbrechung dann wieder zurück zu den Rotweinen.

1982 Château Cos d’Estournel

In der Nase erhielt ich zunächst Anklänge von dunkler, herber Frucht. Kurze Zeit darauf entdeckte ich Aromen, die mich an Cassissaft, Maulbeere, Süßholz, etwas Waldboden und Mokka erinnerten. All das wurde von einer ätherischen Frische begleitet, die mich an Eukalyptus denken ließ.

Mittlerer Körper, präsentes aber reifes Tannin und eine frische Säure offenbarte der Wein am Gaumen. Wunderschöne Struktur. Der Wein spielte hier eher auf der herberen Fruchtklaviatur und erinnerte mich an Schattenmorelle, Zwetschge und Holunderbeere. Begleitet wurden diese noch von feinen Gewürzen und tabakigen Anklängen. Komplex und mit sehr langem Nachhall. Wundervoll gereift und vermutlich auf dem Punkt.
96 / 100

 

1982 Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande

In der Nase erkannte ich vorwiegend schwarze Früchte, mit deutlichen Anklängen von Waldboden, Graphit, Röstnoten und einer leicht vegetabilen Note. Wirkte zunächst noch etwas jünger als sein Vorgänger, wendete sich aber mit zunehmender Luft ins Vegetabile ab.

Vorwiegend mit herberer Frucht und mineralischen Komponenten am Gaumen. Mit mittlerem Körper, präsentem und reifem Tannin. Auch am Gaumen zeigte sich die vegetabile Note. Baute im Glas dann merklich ab. Langer Abgang.
92-93 / 100

 

Der siebte Flight bestand aus einem weiteren Solisten: 1982 Château Lynch Bages

Cassis, Zedernholz, Bleistiftspitze, etwas Waldboden und feine Gewürze bildeten hier das Bouquet. Wirkte in der Nase deutlich vitaler als die Comtesse zuvor.

Ein mittlerer Körper, reifes Tannin und eine belebende Säure. Eine prägnante Zedernholznote sowie Leder und ein Glas voll mit schwarzen Früchten, wie Cassis, Brombeere und Maulbeersaft. Wunderbar feine Süße, auch im langen Nachhall. Elegant und komplex. Ein wohl häufig unterbewertetes Weingut. An diesem Abend hatte er die Bühne ganz für sich und diese füllte er auch dankbar aus. Mit 36 Jahren, was für ein grandioser Lynch Bages!
95/100

 

Der achte und letzte Rotweinflight bestand aus einem 1982 Château La Mission Haut Brion und einem 1982 Château Gruaud Larose.

 

Der La Mission Haut Brion war leider fehlerhaft, weshalb eine realistische Wertung nicht fair gewesen wäre. Ein wirklich großer Jammer, gerade wenn man den Jahrgang bedenkt. Beklagen musste man sich dennoch nicht, denn der zweite Wein des Flights konnte all das zeigen, was dem Mission Haut Brion leider verwehrt geblieben war.

In der Nase erhielt ich Aromen, die mich an Kirschkerne, Cassis, Graphit, Unterholz, Leder und auch deutlich an Zedernholz erinnerten. Was für eine herrlich einladende und komplexe Nase.

Der Wein besaß einen mittleren Körper und war mit weichem, weitestgehend abgeschmolzenem Tannin sowie einer frischen Säure ausgestattet. Am Gaumen etwas bäuerlich und rustikal wirkend, mit insgesamt dunklerer Fruchtaromatik. Tolle Struktur. Komplex und wunderbar ausgewogen. Sehr lang im Abgang und sicherlich noch ausreichend Potenzial für weitere Jahre Flaschenreife. Für mich einer der Weine des gesamten Abends und ein grandioser Abschluss eines solchen Abends.
98+ / 100

 

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